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Abschied der Familie Toman von der Bethlehemsgemeinde

An die Gemeinde, das Presbyterium, an die emeritierten Pastoren und die gegenwärtige Pastorin der Bethlehemsgemeinde:

Anlässlich unseres baldigen Umzuges würde ich gerne meine tiefe Dankbarkeit für diese Glaubensgemeinschaft hier in Neukölln zum Ausdruck bringen.
Als wir vor etwas mehr als drei Jahren aus den Vereinigten Staaten hierhin gezogen sind, war ich ein wenig aufgeregt und hatte Heimweh. Noch nicht ganz so vertraut mit dem öffentlichen Nahverkehr, und weil wir ein wenig spät dran waren, nahmen wir vom S-Bahnhof Neukölln ein Taxi zum Gemeindehaus. Wir nahmen uns Gesangbücher und setzten uns in eine der hinteren Reihen. Dies war meine erste Erfahrung mit gesprochener deutscher Sprache. Ich versuchte zuzuhören und zu verstehen und konnte der Predigt etwas folgen, weil ich den angesprochenen Bibeltext kannte, nachdem Mirko mir diesen verraten hatte, und konnte einige Wörter wiedererkennen. Dies war hilfreich, aber was mir zuerst ein Gefühl von Vertrautheit gab, war die Musik der Orgel, damals gespielt von Herrn Weichenhan. Ich fragte mich, ob ich vielleicht auch mal spielen könnte.
Ein paar Monate später spielte ich dann meinen ersten Gottesdienst. Ich benötigte eine Menge Anweisungen von Herrn Krebs, welche er bereitwillig gab. Ich stöberte in verschiedenen Berliner Bibliotheken nach passender Musik, und mit der Zeit fiel mir auf, dass viele Melodien denen im Gesangbuch meiner Heimat ähnlich waren. Während dieser ersten Monate lernte ich Gemeindemitglieder näher kennen und es entwickelten sich Freundschaften. Als wir fast genau ein Jahr in Deutschland gelebt hatten, kam Erich, mein erster Sohn, auf die Welt. Gemeindemitglieder überraschten uns zu seiner Geburt mit Geschenken und gaben mir das Gefühl, zuhause zu sein, obwohl meine eigene Familie so weit entfernt ist. Ich war froh, dass ich mich als Teil dieser Kirchenfamilie fühlen konnte. Wir besuchten gelegentlich auch die Amerikanische Kirche in Berlin, vor allem auch um meinem Stiefsohn Shannon den Besuch der Sonntagsschule zu ermöglichen, sind aber der Bethlehemsgemeinde nach wie vor treu geblieben.


Am 13. Juli 2014 wurde Elfriede Toman getauft.

Bald nach Erichs Geburt begann ich wieder in Gottesdiensten zu spielen, bald darauf in fast jedem Gottesdienst. Ich fand mehr Selbstvertrauen in meinem Spielen und fühlte mich gut aufgehoben genug, um Musik aus meinem Heimatgesangbuch in Teile des Gottesdienstes einfließen zu lassen. Ich hoffe, dass die Gemeinde dies als Bereicherung empfand; für mich selbst war es allemal eine Bereicherung, in der Lage gewesen zu sein, Lieder auszusuchen, die zur jeweiligen Predigt und dem liturgischen Jahr passten. Ich empfand es als einen Segen, die von Gott geschenkten musikalischen Gaben im Gottesdienst anzuwenden. Auch dies trug dazu bei, mich hier zuhause zu fühlen, als Teil einer Kirchenfamilie.
Ein weiterer Aspekt, der mich zuhause in dieser Kirchenfamilie fühlen ließ, waren das Beisammensein und die Gespräche mit Gemeindemitgliedern nach dem Gottesdienst im Kirchgarten oder im hinteren Saal bei Tee und Gebäck. Mit der Zeit kannten uns viele beim Namen, nahmen Anteil an unserem Leben und beschäftigten sich mit Erich und Shannon. Gemeindemitglieder nahmen sich die Zeit, mich und meine Geschichte kennenzulernen und ich lernte sie kennen. Mein ursprüngliches Heimweh nahm stetig ab und die anfänglich fremde Kirche in diesem fremden Land wurde zu meiner neuen Kirchenheimat. Jetzt, da die Geburt meiner Tochter Elfriede in den nächsten Tagen ansteht, spiele ich nicht mehr, aber ich fühle mich nach wie vor als Teil der Körperschaft Christi hier in der Bethlehemsgemeinde Neukölln. Ich bedanke mich für Eure Freundlichkeit und die willkommenheißende Atmosphäre in dieser Gemeinde. In ein paar Wochen hoffen wir, dass wir Elfis Taufe mit Euch allen feiern können, bevor wir uns dann auf den Weg nach Ostholstein machen, um in der Nähe von Mirkos Familie zu leben. Wir werden jeden hier sehr vermissen. Wir wurden reichlich gesegnet durch diese Gemeinde und wir beten, dass sie auch weiterhin ein Segen bleibt für all jene, die in der Zukunft hierhin zu den Gottesdiensten kommen.

Helen Toman

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