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Arnd Hollweg (1927–2015)

Am 30. April 2015 ist Herr Dr. Arnd Hollweg verstorben, Pfarrer in der Bethlehemsgemeinde
von 1976 bis 1990.

Arnd Hollweg war ein froher, er war ein glücklicher Mensch. Jeder, der ihm begegnete, bemerkte diese innere Unbeschwertheit. Noch das Foto, das wenige Wochen vor seinem Tode aufgenommen wurde, zeigt das für ihn typische Lächeln. Typisch insofern, als es die Heiterkeit seines Charakters zeigt, also die Fähigkeit, den Dingen eine freundliche Seite abzugewinnen. Nur wenige wussten deshalb, wie schlecht es zuletzt um seine Gesundheit stand. Wenn man sagt, er habe Ausstrahlung gehabt, so trifft dies auch im buchstäblichen Sinn auf Arnd Hollweg zu. Denn von seiner freundlichen Heiterkeit hat er all denen, die ihn kannten, etwas auf den Weg gegeben und so auch das, was unerfreulich und düster schien, etwas weniger bedrohlich erscheinen lassen.  
Innere Unbeschwertheit war für Arnd Hollweg Bestandteil der Theologie, sie war  nicht nur Ausdruck dessen, was wir hierzulande leichthin als „Rheinische Frohnatur“ bezeichnen, obwohl sich in dem in Mönchengladbach Geborenen sicher auch etwas von dieser Anlage verkörperte, die man mit einigem Recht mit denen in Verbindung bringt, die irgendwo an Mosel, Ruhr und Rhein aufwachsen. Als Charakterzug des Christen und des Theologen ist sie mehr als eine natürliche Anlage, sie ist eher ein Merkmal, das sich dem Einfluss eines Theologen verdankt, der für Arnd Hollweg nach den Erfahrungen der Nazityrannei und des Zweiten Weltkrieges wichtig wurde: Karl Barth. Für die Generation derer, die Zeugen der Hilflosigkeit gegenüber dem unbedingten Zerstörungswillen der Nazis geworden waren, ja die Bereitwilligkeit erlebt hatten, sich diesem Willen unterzuordnen und unter Umständen alles preiszugeben, was Menschlichkeit verlangt, bedeutete die Theologie Barths eine Befreiung. Sie gab Orientierung in einer Zeit, in der sich der Weg, den die Deutschen eingeschlagen und den weite Teile der evangelischen Kirche einst begrüßt hatten, als grauenhafter Irrtum erwiesen hatte. Nichts und niemanden an die Stelle Gottes zu setzen, sein Vertrauen allein auf Gottes Wort zu setzen, das Menschliche nicht für übermenschlich zu erklären, all das hatte der streitbare Schweizer Theologe bereits während des Ersten Weltkrieges als Kern der Theologie erkannt und es 1934 in eine Form gebracht, die für die Bekennende Kirche maßgeblich wurde. Sie hat bereits den Theologiestudenten Hollweg herausgefordert, und die kritische Auseinandersetzung mit ihm dauerte ein Leben lang. Geprägt haben ihn das Misstrauen gegenüber blinder Selbstgefälligkeit und die Abneigung gegen falsche Autoritäten, auf der anderen Seite der Glaube an die erlösende Tätigkeit Gottes. Bis ins hohe Alter hinein war dieser Anstoß spürbar, der aus dem Schrecken des Krieges entstanden war und dazu geführt hatte, sich mit ganzem Ernst auf das Christentum einzulassen.


Mit Karl Barth teilte Arnd Hollweg eine Unbeschwertheit, die ihn auch Auseinandersetzungen nicht scheuen ließ: Barth selbst fand Gefallen daran, sich vom Spiegel als „Gottes fröhlicher Partisan“ portraitieren zu lassen, und an dieser Bezeichnung hätte wohl auch Hollweg Freude gehabt. Er, der neben der Theologie auch Philosophie, Soziologie und Pädagogik studiert hatte, hat in Büchern und Artikeln für die Freiheit der Theologie gestritten, auch gegenüber einer nur noch kalt rechnenden Vernunft, die den ganzen Menschen aus dem Blick zu verlieren droht. Bis zum Ende seines Lebens arbeitete er an einem umfangreichen Buch, das vor den Irrwegen einer beschränkten Vernünftigkeit warnt und deshalb die Aufmerksamkeit auf den Menschen als Einheit von Geist und Leib lenkt − eines der grundlegenden Themen seines Denkens. Zu den Eigenschaften, die an ihm zu bewundern waren, gehörte nicht zuletzt, dass er seine Auffassungen auch gegen die mit Leidschaften und Herzlichkeit verteidigte, die anderer Ansichten waren. Man konnte mit Arnd Hollweg streiten, und er genoss derartige Auseinandersetzungen sichtlich.
Arnd Hollweg war Pfarrer, und zwar aus der Leidenschaft, das Wort Gottes als die frohe Botschaft zu verkündigen, die höher ist als alle Vernunft. Vielen ist sein Wirken in der Bethlehemsgemeinde in Erinnerung, in der er über viele Jahre tätig war. Weit über die Pensionierungsgrenze hinweg war er in der Gemeinde aktiv, als regelmäßiger Gottesdienstbesucher, aufmerksamer Zuhörer, Gesprächspartner und auch als Ratgeber. Mit dem Tode von Arnd Hollweg fehlt uns allen ein Mensch, der souverän, wach, kritisch und einem jeden zugewandt war.

Michael Weichenhan

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