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Der Mensch ist das Problem

Wir können, wir wollen, wir vollbringen viel, immer mehr, aber die Räder laufen heimlich leer, weil wir eine Macht wollen und brauchen, deren wir im Grunde durchaus nicht bedürfen, die wir teilweise vielleicht zu unserem Heil besser nie kennen gelernt, geschweige denn entfesselt hätten. Es kann nicht anders sein: die unsere wirkliche Lebensnotwendigkeit überschießende Macht,
die Technik, die im Grunde sich selber Sinn und Zweck ist, die, um bestehen und um sich weiter verbesseren zu können, immer neue problematische Bedürfnisse hervorrufen muss, muss wohl das Ungeheuer werden, als das es sich heute weithin darstellt, muss schließlich, absurd genug, zur Technik der Störung und Zerstörung werden.

Aber der Mensch sollte nicht die Technik als „seelenlos“ anklagen, sondern sich selbst, seinen vernunftlosen Willen zur Macht. Er selbst ist das Problem der neuzeitlichen Technik. Was ist das für eine Machtfreude, in deren Genuss – und was ist das für eine Macht, in deren Besitz und Ausübung er nun wie ein betrunkener irgendeinem kollektiven Abgrund entgegen zu taumeln scheint?

Gedanken des Schweizer Theologen Karl Barth aus „Kirchliche Dogmatik Bd. III,4“ S. 421 im Kapitel „Die Ehrfurcht vor dem Leben“, erschienen 1951.

 

 

 

 

 

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