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Ein weiterer Jubilar 2009 – und seine Verbindung zu den Reformierten

Vor lauter Calvin-Erinnerung darf nicht vergessen werden, dass wir in diesem Jahr auch weiterer Persönlichkeiten gedenken sollten. Zu ihnen gehört der Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy, Enkel des jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn,
geboren am 3. Februar 1809 in Hamburg und verstorben am 4. November 1847 in Leipzig.

Die Eltern Abraham und Lea ließen Felix und seine Geschwister Fanny, Rebecka und Paul 1816 in der heute nicht mehr existierenden Berliner Jerusalemskirche (Rudi-Dutschke- u. Oranien- / Lindenstraße im heutigen Kreuzberg) taufen. Das war für jüdische Eltern im frühen 19. Jahrhundert in Preußen ein sehr bewusster Akt: Der Übertritt zum Christentum sollte den Kindern den Zugang zu Bildung und Ansehen und damit einen gesellschaftlichen Aufstieg ermöglichen – so wie Heinrich Heine die Taufe als das „Entréebillet zur europäischen Kultur“ bezeichnet hat. Vom bereits konvertierten Schwager übernahm Abraham Mendelssohn dessen neuen christlichen Nachnamen Bartholdy als Namenszusatz, um den Wechsel der Konfession auch äußerlich sichtbar machen. Seinen Sohn Felix ermahnte er später, auf diesen Namenszusatz unbedingt zu achten. Dieser hatte zum „Glauben der Väter“ ein eher entspanntes Verhältnis und nichts hinderte ihn, zusammen mit jüdischen Freunden Sabbat zu feiern.

Konfirmiert wurde Felix Mendelssohn Bartholdy 1826 durch den reformierten Pfarrer der Berliner Parochialkirche, Friedrich Philipp Wilmsen. Wilmsen war nicht nur Pfarrer, sondern auch ein engagierter Pädagoge. Er verfasste u. a. Elementarbücher für die Volkschulen. Sein besonderes Engemanent in der Gemeinde galt dem Konfirmandenunterricht. Aus der Konfirmandenzeit Felix Mendelssohn Bartholdys ist ein – später so genanntes – Konfirmationsbekenntnis des 16-Jährigen erhalten geblieben. Man hat es als Ausweis seiner frühreifen religiösen Vorstellungen gedeutet.

Felix Mendelssohn Bartholdy (1809–1847)

 

 

 

 

 

Der Göttinger Musikwissenschaftler Martin Staehelin hat nach Studien im Berliner Landekirchlichen Archiv jüngst die Entstehung diese Schriftstückes erhellt. Ihm zu Folge handelte es sich nicht um ein „Bekenntnis“, sondern um Antworten auf Fragen, die der Konfirmator seinen Konfirmanden gestellt hatte, also um eine Art vertiefender Hausaufgabe. Die Antworten zeigen den jungen Felix Mendelssohn tatsächlich als eine sehr eigenständige Persönlichkeit, dem es gegeben war, Wesentliches zu erfassen und theologisch adäquat auszudrücken. Nur an wenigen Stellen lehnte Felix sich an das von Wilmsen verfasste Lehrbuch für den Konfirmandenunterricht an. Wilmsen hat die Ausarbeitung des jungen Felix durchgesehen, aber nur an wenigen Stellen korrigiert und redaktionelle Verbesserungen vorgenommen – was einer weitgehenden Anerkennung der Auslassung des jungen Mendelssohn gleichkam, wie M. Staehelin schlussfolgert. Es ist hier nicht der Raum, dem reformierten Gehalt des Unterrichts von Wilmsen nachzugehen. Wilmsen hatte sich offensichtlich in die von Friedrich-Wilhelm III. verfügte „Union“ gefügt.

Verbindungen zum Reformiertentum lassen sich auch in späteren Lebensphasen von Mendelssohn Bartholdy nachweisen. 1837 heiratete der Komponist in der franzöisch-reformierten Kirche in Frankfurt am Main Cécile Jeanrenaud, die Tochter des vormaligen Predigers der aus hugenottischer Zuwanderung entstandenen Gemeinde. Der Traugottesdienst folgte der franzöisch-reformierten Liturgie, in französischer Sprache – versteht sich! Mendelssohn lernte sie kennen, als er vertretungsweise 1836 den Frankfurter Cäcilienchor leitete. Fünf Kinder gingen aus dieser Ehe hervor.

Dr. Bernd Krebs

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