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Gemeinden am Kap

Liebe Gemeindemitglieder!

Ziemlich genau vor sieben Monaten war ich zum letzten Mal in der Bethlehemsgemeinde, am 11. Januar. Jetzt bin ich schon eine ganze Zeit in Südafrika und am liebsten würde ich so viel erzählen, dass ich eigentlich gar nicht weiß, wo ich anfangen soll…

Vielleicht erzähle ich Ihnen mal ein bisschen aus den Gemeinden hier in Stellenbosch.

Ich habe am Anfang viele verschiedene Gemeinden hier besucht, eigentlich mit dem Ziel, mich dann für eine Gemeinde zu entscheiden. Letztendlich ist es dabei geblieben, dass ich viele verschiedene Gemeinden besuche und ich erfahre es als große Bereicherung. Vielleicht entspricht dies auch am ehesten der „Regenbogen“-Vielfalt der Menschen in Südafrika.

Es gibt hier nicht nur eine Reformierte Kirche, sondern viele, die teilweise noch nach den „Rassen“, den so genannten Weißen, Mischlingen, Schwarzen und Indern, getrennt sind – was ich vorher nicht wusste und was mich deshalb sehr überrascht hat.

Sie können sich sicher vorstellen, dass die Gottesdienste auch entsprechend unterschiedlich sind, vom Predigtstil über den Kleidungsstil bis zur Musik. Das spiegelt sicher die große Vielfalt wieder und ich genieße es sehr, das alles miterleben zu können.

Gleichzeitig stößt es mir aber auch immer wieder auf. Manchmal ist es mir einfach nur unverständlich, warum es noch immer nicht möglich ist, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Hinter all dem steht natürlich Südafrikas Geschichte der Apartheid, die aus vielen Köpfen nicht so einfach zu verbannen ist. Nach zehn Jahren Demokratie in Südafrika ist die Apartheid in vielen Bereichen noch lange nicht Geschichte.

Im Vergleich zu Deutschland ist das Gemeindeleben ist meistens sehr viel aktiver. Dass 90% der Mitglieder sonntags zum Gottesdienst kommen ist keine Außergewöhnlichkeit.

Kinder und Jugendliche sind normalerweise integriert in den Hauptgottesdienst, manchmal mit einer eigenen Kinderpredigt, vielleicht vergleichbar mit unserm Familiengottesdienst, nur natürlich alles im viel größeren Rahmen. Manchmal gehen die Kinder während der Predigt raus, meistens bleiben sie allerdings zusammen mit den Erwachsenen mehr oder weniger geduldig in den Bänken sitzen.

Die Konfirmanden sind natürlich auch im Gottesdienst anwesend. Man muss als Konfirmand allerdings damit rechnen, vom Pfarrer direkt vor sich in die erste Reihe gesetzt zu werden, damit er einen besser sehen und man selber besser aufpassen kann.

Die Arbeit der Ehrenamtlichen sehr wichtig, vor allem in den Kirchen der Farbigen, die finanziell auf große Hilfe angewiesen sind. Manchmal müssen sich mehrere Gemeinden von mehreren tausend Mitgliedern einen Pfarrer teilen. Theologiestudenten übernehmen hier meist die Hälfte der Gottesdienste. Die meisten Studenten (aus den farbigen Gemeinden) predigen schon sehr regelmäßig während des Studiums.

Besonders gefällt mir die theologische Ausbildung hier! Sie bildet nämlich eine schöne Abwechslung zu meinem bisherigen Studium. Aber davon kann ich ja vielleicht beim nächsten Mal berichten…

Es gibt noch so viel zu erzählen! Sie können mir gerne schreiben, meine email-Adresse ist verenahoff@uni.de
Ich freue mich auch immer über Neuigkeiten aus der Gemeinde.

Viele herzliche Grüße aus dem Süden in das wunderschöne Berlin!

Ihre Verena Hoff, im Herbst 2004

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