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Gemeinschaft – Gedanken von Karl Barth

Baut euch zum geistlichen Haus (1. Petrus 2,5)

Erbauen heißt Zusammenfügen. Die Menschen bedürfen dessen, zusammengefügt zu werden. Denn als Menschen sind sie zunächst ein auseinanderstrebender Haufe. Zur Erreichung einzelner Zwecke mögen die Menschen auch sonst miteinander verbunden sein, aber eben darum nicht ganz verbunden. Zur Gemeinde versammelt sind sie zum Zwecke aller Zwecke, muss ihre Verbindung also eine völlige, unbedingt haltbare sein: Verbindung nicht zu einem Kollektiv, in dessen Existenz der Einzelne belanglos wird, aber Verbindung in Freiheit! So heißt Zusammenfügen hier nicht die Herstellung eines fugenlosen Gebildes, wohl aber die Herstellung eines solchen, in dessen Fugen die Ecken und Kanten der einzelnen Bauelemente zueinanderpassen, so dass sie sich gegenseitig zu halten und zu tragen vermögen. Wo Zwei oder Drei versammelt sind im Namen Jesu, da werden sie sich gegenseitig als die von ihm Zusammengeführten erkennen und anerkennen. Die Liebe baut die Gemeinde. Die Liebe besteht darin, dass sie, von Gott, von Jesus zusammengefügt, sich auch unter sich zusammenfügen, um so das Gemeinwesen zu sein, das für seinen Dienst in der Welt brauchbar ist. Wie ein Mensch für sich, ohne seinen Mitmenschen, kein Mensch wäre, so wäre auch ein Christ für sich, getrennt von der Gemeinschaft der Heiligen, kein Christ. Die königliche Freiheit seines Glaubens ist die Freiheit, in ihr mit Brüdern und Schwestern zusammen in dem ihr zugewendeten Besitz und in dem ihr befohlenen Dienst zu stehen.

Hier und dort.

Johannes Ulrich Bissinger

Die Welt, in der ich lebe hie,
Ist wundervoll gebaut;
Doch dort erst, ach, ich ahne nie,
Was dort mein Auge schaut!
 
Entzückt mich schon am weisen Freund
Der Tugend Himmelsglanz;
Wie erst, bin ich mit Gott vereint,
Seh’ ich das Heil’ge ganz! –
 
Ist Liebe hier schon wonnereich;
Wie dort erst, dort im Licht!
O Gott! steh’ ich, den Engeln gleich,
Vor Deinem Angesicht! 

 

Johann(es) Ulrich Bissinger wurde 1795 in Augsburg geboren. Zwischen 1832 und seinem 1862 erfolgten Tod war er evangelischer Pfarrer in Holzschwang, heute Teil der Kreisstadt Neu-Ulm in Bayern. Der Auszug aus dem Gedicht „Hier und dort“ entstammt seinem Buch: Saroniten. Christliche Dichtungen, dem Altare des Herrn geweiht, München: George Jaquet, 1836, S. 145 f.

Martin A. Völker

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