Willkommen | Archiv | Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben

Jesus Christus spricht: Ich lebe und ihr sollt auch leben (Johannes 14,19)

Die Osterbotschaft schwingt in diesen beiden Sätzen: in dem Satz, der von Jesus allein gilt, „Ich lebe!“ Er ist die Auferstehung und das Leben. Das ist das eine. Das Präsentische. So redet man, wenn man von der Gegenwart des Lebens
in Jesus redet. So ist Gott gegenwärtig.
Daneben aber steht der andere Satz: „Auch ihr werdet leben.“ Ihr – das sind wir, das ist jeder von uns in seiner einsamsten Todesgebundenheit. Mit unseren Augen sehen wir den Tod in seiner Gültigkeit für alle. Aber die Augen des Glaubens sehen etwas anderes: die Verheißung, mit dem Finger Gottes mir ins Herz geschrieben: Ihr sollt auch leben. Diese Schule des Glaubens fängt bei mir selber an, bei meinem Tod und bei dem Tode, wo er mich trifft und mich zum Feind Gottes machen möchte und vielleicht schon gemacht hat. Hier ist mit dem, was wir fühlen und greifen, nichts getan. Hier muss mit den Augen des Glaubens gesehen und mit der Vernunft des Glaubens geurteilt werden. Ihr werdet leben. Was als Wahrheit in Jesus vor uns steht, den Gott schon herausgeführt hat aus dem Totenreich, dasselbe ist bei uns allen noch im Gange, es ist bei uns noch im Geschehen. Teilweise liegt unser Leben noch in der Todesnacht, aber es hat eine Mitte bekommen, wo es hell ist, es ist hineingenommen
in der Kraft der Verheißung Gottes. Und wenn wir irre werden wollen an ihr, weil der Tod so stark ist in uns und das Leben so schwach, dann steht diese Verheißung vor uns als Gegenwart, als erfüllt in Jesus, dem lebendigen Herrn.

In ihm ist sie ein für allemal Ereignis geworden. Das Leben, zu dem wir berufen sind, ist vor uns in ihm erschienen. Suchen wir es nicht in uns, sondern in ihm. Aller Glaube, der Leben in uns sucht, ist Scheinglaube und findet am Ende nur
den Tod. Der Glaube aber, der sich an den Osterfürsten hält und weiß, dass Jesus nicht mehr stirbt, der wird auch durch den eigenen Tod hindurchreißen, wie Jesus hindurchgebrochen ist. Das sei das letzte Wort an diesem Ostertage:
In Jesus ist Gottes Leben gegenwärtig, für uns ist es noch zukünftig. Aber seien wir dessen gewiss, dass auch für uns der Tod um Jesu willen dahinten liegt und wir – wenn auch durch noch so mancherlei Dunkel – dem Leben entgegengehen.
Das bedeutet: Wiedergeborensein zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten.
aus einer Osterpredigt von Hans Joachim Iwand (1899–1960)

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