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Reformieren! – Gedanken zur Zukunft der Reformierten in unserer Landeskirche

„Totgesagte leben länger …“ sagt der Volksmund, denn die Erfahrung lehrt: oft tauchen gerade jene wieder auf, die man längst abgeschrieben hat. Das Erstaunen ist dann groß: „Schau mal an, den gibt’s ja noch“. Bisweilen habe ich den Eindruck, dass auch wir Reformierte eine solche Wiedergänger-Rolle haben. Im vergangenen Jahr waren wir vielerorts gefragte Gesprächspartner, denn Calvin hatte Geburtstag. Etwas davon wirkt noch nach. Doch im Alltag treffe ich meistens wieder auf die gewohnte Reaktion: „Reformierte – ach gibt’s die noch?“ Das stört mich nicht, denn die Reformierten waren hierzulande immer eine Minderheit. Doch wenn hinter der erstaunten Frage die Erfahrung stünde, dass von den Reformierten keinerlei Anstöße und Impulse mehr ausgingen, weder in die Kirche noch in die Gesellschaft hinein – dann wäre das ein bedenkliches Zeichen. „So denke nun an das, was du empfangen und gehört hast, halte daran fest und kehre um!“ heißt es im 3. Kapitel der Offenbarung, aus dem auch der Monatsspruch für den Oktober entnommen ist. Gerichtet an die Gemeinde in Sardes, der der zweifelhafte Ruf anhaftete, tot zu sein, obwohl sie noch lebte, könnte das Wort uns Reformierten gelten – als Mahnung, uns auf das zu besinnen, was wir als Erbe erhalten haben: unsere Bekenntnisse, unsere Ordnungen, unsere Art, Gottesdienst zu feiern und die Heilige Schrift auszulegen, und das alles kritisch zu prüfen, an der Heiligen Schrift und im Lichte der Aufgaben, die uns heute gestellt sind.


Im November wird die Synode des Reformierten Kirchenkreises über die Reformvorschläge debattieren, die eine synodale Arbeitsgruppe erarbeitet hat. Wird es uns gelingen, nicht nur an der einen oder anderen Stellschraube zu drehen, sondern den Weg zu öffnen für einen grundlegenden Reformprozess? Dazu ist es notwendig, dass wir uns kritische Fragen stellen, etwa die nach der Anzahl und Größe unserer Gremien, nach dem Zuschnitt der Gemeinden, nach der Zahl der haupt- und ehrenamtlichen Mitglieder, nach der ungleichen Verteilung der Ressourcen und nach der Selbstbezogenheit mancher Gemeinde. Ziel der Reform muss es sein, die Gaben in unseren Gemeinden besser zu erkennen und zu entfalten, die Zahl der übergemeindlichen Gremien auf das nötigste zu reduzieren, vor allem aber – stärker als bisher – das Schwergewicht auf Mission, Bildung und Diakonie zu legen. Wenn man uns fragt, was denn ‚reformiert‘ bedeutet, antworten wir gern: wir seien „aus Gottes Wort reformiert“. Sind wird das noch? Was bedeutet uns die Reformation heute – eine Reminiszenz an frühere Zeiten oder der Auftrag, der weiterhin gilt? Durch neue Formen der Kooperation (z. B. im pastoralen Dienst), durch Stärkung des Ältestenamtes und die gezielte Ausbildung von Ehrenamtlichen könnten wir Zeichen setzen, die außerhalb unserer Gemeinschaft wahrgenommen würden. Denn nicht nur wir Reformierte, sondern unsere Landeskirche insgesamt steht vor der Aufgabe einer Reform an Haupt und Gliedern. Dafür steht das Reformprogramm ‚Salz der Erde‘, das auch eine Vielzahl an Anregungen für uns bereithält.

Bernd Krebs

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