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Reformierter Bund und Calvin-Stiftung – was ist das?

Auch in unserer Gemeinde schauen viele etwas verständnislos, wenn der Name Reformierter Bund fällt. Bestenfalls weiß oder glaubt man, dass es sich um eine Vereinigung handelt, die sich um die Belange der Reformierten kümmert. Und das ist richtig, denn im 1884 gegründeten Reformierten Bund (RB) haben sich einzelne Reformierte, Kirchengemeinden, Gemeindeverbände, Synodalverbände und (Landes-) Kirchen zusammengeschlossen, um dem reformierten Bekenntnis in Deutschland Schutz und Beachtung zu geben. Der RB ist zudem die Verbindungsstelle zum Reformierten Weltbund und seinen Mitgliedskirchen sowie zu den anderen evangelischen Kirchen. Der RB ist damit der Dachverband der etwa zwei Millionen reformierten Christen unter den rund 27 Millionen Protestanten in der EKD. Geleitet wird der RB von dem Moderamen (Vorstand). Es besteht aus 24 Mitgliedern, von denen zwölf von der Hauptversammlung gewählt werden, neun Mitglieder entsenden die beteiligten Landeskirchen und drei beruft das Moderamen. Aus Brandenburg sind Pfarrer Ulrich Barniske aus Brandenburg an der Havel und der Verfasser gewählte Mitglieder des Moderamens.
Dementsprechend vielfältig sind auch die Themen, die auf der Tagesordnung des Moderamens stehen. Beispielsweise befasste sich das Moderamen auf seiner letzten Sitzung Mitte März mit so unterschiedlichen Themen wie seinen Finanzen, den Perspektiven seiner Arbeit, den gegenwärtigen Herausforderungen der Friedensethik, der Situation im Rat der EKD und in den Kirchtümern, der Vorbereitung seiner Hauptversammlung 2011, den Planungen zum Jubiläum des Heidelberger Katechismus sowie der Erörterung der ökumenischen Aktivitäten im internationalen Bereich. Breiten Raum nahm in der Diskussion über die Friedensethik die Bedeutung des Tötungsverbotes „in der noch nicht erlösten Welt“ (aus der V. These der Barmer theologischen Erklärung) ein. Die Problematik soll auf den nächsten Sitzungen vertieft erörtert werden.
Neu ist das Calvin-Zentrum des RB in Hannover, das als Agentur für reformierte Theologie und Frömmigkeit wirkt. Gemeinden und Interessierte sollen mit Projekten und Tagungen angesprochen werden. Eine seiner Aufgaben ist es im Zusammenhang mit der Reformationsdekade, die Kooperation der verschiedenen reformierten Akteure sicherzustellen und die Erfahrungen mit calvin 09 fruchtbar zu machen. Das gilt ebenso für die Vorbereitung des Themenjahres Reformation und Toleranz, das an die theologischen Grundentscheidungen des Heidelberger Katechismus erinnern wird. Unter dem Motto Schöne reformierte Kirche greift der RB ein früheres Projekt wieder auf. Dessen Idee ist es, reformierte Theologie und Frömmigkeit an Hand typisch reformierter Kirchenbauten deutlich zu machen und zugleich Aufmerksamkeit auf die Kirchengebäude und Gemeinden zu lenken. Für dieses Projekt ist natürlich Brandenburg mit seinen vielen und oft sehr kleinen reformierten Kirchen prädestiniert.

Der RB unterhält seit einigen Jahren mit der Internetseite www.reformiertinfo.de eine Informationsplattform, auf der aktuell über das Geschehen im reformierten Bereich berichtet wird. Außerdem werden Predigten veröffentlicht und Fragen zum Reformiertsein beantwortet. Das kostet natürlich alles viel Geld, das von den Mitgliedern aufzubringen ist. Viele Sorgen und Nöte wären durch eine höhere Mitgliederzahl zu beheben, zumindest aber zu mildern. Deshalb auch an dieser Stelle der Appell an die Leser: Werden Sie Mitglied im Reformierten Bund und unterstützen Sie damit dessen Arbeit!
Teil des Calvin-Zentrums ist auch die Ende 2008 gegründete Calvin-Stiftung. Sie hat die Aufgabe, vor allem den Gemeinden zu helfen und ein Netzwerk aufzubauen, das Projekte und Entwicklungen in den Gemeinden und Regionen voranbringt und stärkt. Hintergrund ist die demographische Entwicklung in den Gemeinden und die daraus erwachsene Erkenntnis, dass in absehbarer Zeit viele Gemeinden eine Reihe von Aufgaben nicht mehr aus eigener Kraft werden organisieren und bezahlen können. Eine Situation, die bereits heute bei einigen Gemeinden in Brandenburg, aber nicht nur dort, traurige Wirklichkeit ist. Die „auf ewig“ angelegte Stiftung befindet sich noch im Aufbau, ihre Wirksamkeit wird entscheidend davon abhängen, wie hoch schließlich ihr Stiftungsvermögen ist. Denn nicht das Stiftungsvermögen, sondern allein die damit erwirtschafteten Erträge dürfen für die genannten Ziele ausgegeben werden. Der Gesetzgeber belohnt diese äußerst langfristige Förderung des reformierten Protestantismus durch die Gewährung sehr großzügiger steuerlicher Vorteile für die Stifter. Einzelheiten zur Stiftung und den
erwähnten steuerlichen Möglichkeiten sind unter www.reformiert-info.de zu finden.
Die Stiftung ist der Reformierten Synode in der Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische-Oberlausitz sehr dankbar, die auf ihrer letzten Sitzung beschlossen hat, eine Kollekte zu Gunsten der Calvin-Stiftung durchzuführen. Das sollte Schule machen, denn dann muss man sich um die Zukunft der reformierten Gemeinden weniger sorgen.
Klaus-Wilhelm Knauth

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