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Vom Kiez in den Sprengel

oder: Kleine Wegbeschreibung von West nach Ost mit den „Öffentlichen“

„Eigentlich ganz schön hier“. Noch in Gedanken an den Gottesdienst, den ich soeben in der Schlosskirche Köpenick erlebt habe, sitze ich in einem Café an der Dahme und halte mein Gesicht in die Sonne. Der „Latte“ schmeckt. Erste Gäste haben sich eingefunden, sitzen draußen beim Klönschnack, Kinder fahren Rad auf der Uferpromenade. Alle genießen den wunderschönen Vorfrühlingssonntag.
Dabei hatte ich gestern Abend noch Bedenken. Noch früher aufstehen als sonst für einen Kirchgang am Sonntag – denn auch in Köpenick beginnt der Gottesdienst um 10.00 Uhr?!
Doch alles halb so schlimm. Die Ringbahn war pünktlich und auch die BVG hatte auf ihrer Internetseite die Verbindungen korrekt angegeben. Ich steige in Adlershof nach ca. 30 Minuten Fahrt aus der S 46, Richtung Königs Wusterhausen, nehme den Bus Nr. 164 Richtung Kaulsdorf (fährt sonntags allerdings nur alle 20 Minuten) und steige laut Plan an der Bushaltestelle „Freiheit“ aus. Nun merke ich, dass ich doch wohl länger nicht in Köpenick war, denn ich stehe vor der großen evangelischen Stadtkirche, die hier – wie das Gemeindebüro der Köpenicker – ihren Sitz hat.
Die Schlosskirche hatte ich anders in Erinnerung. Zwei Passanten konnten mit meiner Frage nach der der „evangelisch-reformierten Gemeinde Schlosskirche“ nichts anfangen. Vielleicht lag das an der morgendlichen Zeit – jedenfalls fand ich die kleine Insel mit der Schlosskirche nach ein paar Gehminuten trotzdem.
An der Hauptstraße kam mir unsere Pfarrerin entgegen und so gingen wir gemeinsam zum Gottesdienst.

Die Schlosskirche in Köpenick, gegenüber von Schloss Köpenick, südlich der Altstadt gelegen. Sie wurde am 6. Januar 1685 eingeweiht und war zuerst die Kirche von Personen deutscher und niederländischer Herkunft, die in Beziehung zum Hof des Kurprinzen Friedrich standen. Der Architekt Johann Arnold Nehring schuf mit ihr den ersten protestantischen Zentralbau in der Mark Brandenburg und setzte die Prinzipien reformierten Kirchenbaus um: kein Bildschmuck, statt des Altars mit Kerzen nur ein Abendmahlstisch, im Mittelpunkt die Kanzel. In den folgenden Jahren vergrößerte sich die Gemeinde durch Zuzug reformierter Migranten aus Frankreich, der Pfalz und Böhmen. (Foto: Wikipedia)

Resümee: für eine halbe Stunde früheres Aufstehen erlebt man einen gut besuchten Gottesdienst in der hübschen und geschichtsträchtigen Schlosskirche, wenn man Glück hat (wie ich) mit Abendmahl und trifft vielleicht auf dem Weg die Pfarrerin. Hernach kann man an der Dahme oder an der Müggelspree spazieren gehen, Kaffee trinken oder einfach den lieben Gott einen guten Mann sein lassen!
Gründe genug, bald mal wieder herzukommen, denke ich bei mir. Und beim nächsten mal steige ich dann richtig am Schlossplatz aus dem Bus. 

Gisela Hage

 

 

 

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