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Vor 50 Jahren – Martin Luther Kings gewaltfreier Widerstand in Alabama

Wütend zerren die Polizeihunde an ihren Leinen. Immer wieder schnappen sie nach den Demonstranten. Die halten die Arme hoch, als Zeichen für ihre Friedfertigkeit und singen „We shall overcome“. Doch die Polizisten lassen sich davon nicht beeindrucken. Sie haben Befehl, die Demonstration mit allen Mitteln aufzulösen. Über der Stadt liegt eine beißende Wolke aus Tränengas. Dann öffnen die Feuerwehrmänner die Wasserschläuche. Die Wucht des Wassers wirft die Demonstranten zu Boden. Sie wirbeln durcheinander, als ob sie Puppen wären. Wer sich aus der Gefahrenzone retten kann, wird festgenommen und in’s Gefängnis gebracht. Fernsehreporter halten das Geschehen fest. Am Abend laufen die Bilder über die Bildschirme in den USA. Es ist der 12. April 1963, Karfreitag.
An diesem Tag demonstrierte die Bürgerrechtsbewegung unter Martin Luther King in Birmingham/Alabama für ein Ende der Rassentrennung, gewaltlos, wie es ihren Prinzipien entsprach. Birmingham galt als die Stadt mit der schärfsten Rassentrennung in Schulen, in Restaurants, in Bussen, in Parks und Sportstadien. Die Gerichte waren berüchtigt. In keiner anderen Stadt der USA gab es so viele unaufgeklärte Bombenanschläge auf Kirchen und Wohnhäuser von Schwarzen.

Als Martin Luther King in Birmingham ankam, sperrte man ihn sofort in das städtische Gefängnis. Ihm folgten diejenigen, die bei den Demonstrationen aufgegriffen wurden. Schnell füllten sich die Gefängniszellen. Die ersten Demonstranten mussten bald wieder freigelassen werden, um Platz für die nächsten zu schaffen. Ein Kreislauf, der die ganze Unsinnigkeit der Lage offenbar machte. Denn die Bürgerrechtler demonstrierten weiter. Es dauerte einige Tage, bis die Stadtverwaltung begriff, dass es so nicht weitergehen konnte. Sie ließ Martin Luther King und die anderen Gefangenen frei und begann zu verhandeln. Genau das hatte King erreichen wollen. „Wir werden eine schöpferische Spannung erzeugen“, so hatte er zu Beginn der Aktion prophezeit, „und damit die Stadt zwingen, sich den Problemen zu stellen.“ Die vermeintlich Schwachen hatten den Starken die Grenzen ihrer Macht aufgezeigt. Nach langwierigen Verhandlungen mussten die Verantwortlichen in Birmingham allen Bürgern die gleichen Rechte gewähren, unabhängig von ihrer Herkunft oder Hautfarbe.
zuerst veröffentlicht: „Worte für den Tag“ von Pfr. Bernd Krebs
kulturradio des rbb – Mittwoch 7. 11. 12

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