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Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. (2 Kor 3,17)

Seit zweieinhalb Jahren lautet die Adresse von meinem Mann und mir: „Freiheit 14“.
Immer wieder, wenn wir unsere Adresse angeben, sehen wir lächelnde Gesichter und hören: „Freiheit?! Einfach nur Freiheit? Wie schön!“ – Ja, das finden wir auch. „Freiheit, einfach nur Freiheit“ klingt wunderbar und erinnert gleichzeitig daran, welch ein Segen und hohes Gut die Freiheit ist.
Unsere Straße in Köpenick entstand Anfang des 18. Jahrhunderts. Zunächst hieß sie Kurfürstliche Freyheit, bald darauf nur noch Freyheit. Hier wurden vom Kurfürsten Glaubensflüchtlinge aus Frankreich angesiedelt (Hugenotten). Sie waren von Steuerabgaben und dem Militärdienst befreit. Diese kurfürstliche Entscheidung sollte für alle offensichtlich sein und wird bis heute im Straßennamen „Freiheit“ überliefert.
Ein Straßenname allein bewirkt allerdings noch längst nicht, dass über die Generationen hindurch verantwortungsvoll miteinander umgegangen wird. Leider wurde nicht immer dafür Sorge getragen, dass die Freiheit als hohes Gut jedem Menschen gewährt wurde – unabhängig von Herkunft, Religion, Hautfarbe usw. Ein Blick zurück zeigt die dunklen Seiten auf. Ein trauriges Zeugnis gibt die Gedenktafel schräg gegenüber vom reformierten Gemeindehaus. Sie erinnert an die Synagoge, die hier stand, bis sie November 1938 zerstört wurde.

Ein Straßenname alleine ruft die Menschen nicht zur Vernunft. Fremdenhass, Antisemitismus und Anfeindungen haben auch in der „Freiheit“ immer wieder stattgefunden. Umso wichtiger ist es, dass wir uns immer wieder von Gottes Wort zurechtrücken lasen, einander ermahnen, stärken und ermutigen, in seinem Sinne der Freiheit und der Nächstenliebe gemäß zu handeln.
Jedes Jahr zum 9. November gedenken wir in einer ökumenischen Veranstaltung der Menschen, die dem Nationalsozialismus zum Opfer fielen und beten dafür, dass wir Freiheit und Frieden in Zukunft leben und wahren.
„Wo aber der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“, so steht es im 2. Korintherbrief. Dieser Vers erinnert mich daran, dass unser Gott ein befreiender Gott ist. Und immer dort, wo Menschen im Sinne des befreienden Gottes handeln und die Welt gestalten, immer dort, wo wir durch Gottes Geist bewegt werden, ist Freiheit erlebbar.
Ja, ein Straßenname allein verändert noch nicht die Welt zum Guten – aber wir können es schaffen mit Gott an der Seite.
Und eines Tages ist überall Freiheit. Einfach Freiheit.

herzlichst
Carolin Springer

 

 

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