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Woher erkennst du dein Elend? – Aus dem Gesetz Gottes

Elend ist nicht einfach nur als Misere oder Unglück zu verstehen, sondern stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet „fremd, verbannt“ und im Angelsächsischen ursprünglich „im fremden Land, ausgewiesen“. „Der Ausschluss aus der Rechtsgemeinschaft des eigenen Volkes wird als schweres Unglück empfunden: so ist ‚elend‘ heute noch ein kräftiger Ausdruck“ (Duden 7, Herkunftswörterbuch).
Die Erkenntnis des Heidelberger Katechismus ist es also, dass sich der Mensch „im Ausland, in der Fremde“ befindet. Er ist also nicht zu Hause. Da der Katechismus immer die Beziehung denkt, heißt es, dass der Mensch in der  Gottesbeziehung zu Hause ist – des Menschen Heimat ist die Gotteszuge-hörigkeit. Der glaubende Mensch erkennt hingegen seine eigene Entfremdung von der Heimat – Sünde ist Gottesentfremdung. Auch hier ist deutlich, dass nicht ganz bestimmte Taten im Vordergrund stehen, die als Ausweis der Sündigkeit gelten könnten – vielmehr lebt er in der Fremde. Der Mensch ist aufgrund seiner gestörten Gottesbeziehung nicht zu Hause. Ja, man könnte sogar noch weiter

gehen: Der Mensch ist, wenn er sich im Elend befindet, nicht da, wo er eigentlich hingehört. Wenn er nicht bei Gott ist, so ist er auch nicht bei sich selber. Der Mensch ist von Gott und von sich selbst entfremdet … Gerade aufgrund der Erfahrungen im dunklen 20. Jahrhundert, in denen deutlich wurde, zu welchen schrecklichen Taten auch der scheinbar aufgeklärte Mensch in der Lage war, werden wir uns davor hüten, zu optimistisch auch von uns selber zu denken. Wir leben in einer nicht vollkommenen Welt. Wir leben in einer Welt, die von Gott entfremdet lebt. Und jeder Mensch hat Anteil daran, dass die Welt so ist, wie sie ist. Das ist nicht die entscheidende Erkenntnis der christlichen Botschaft. Aber sie gehört dazu. Zum Glück ist dieser Teil des Heidelberger Katechismus auch der kürzeste und damit ein Hinweis, dass er nicht verliebt ist in die dunklen Seiten dieser Welt und in unsere Abgründe. Letztlich wichtig ist dann aber die Erkenntnis, dass von der Sünde des Menschen immer nur im Horizont des (rettenden) Eingreifen Gottes geredet werden kann. Vielleicht tut das der Katechismus noch zu wenig. Aber machen wir es heute besser?

Georg Plasger „Glauben heute mit dem Heidelberger Katechismus“ einige Gedanken zur Frage 3

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