Willkommen | Archiv | Zum Gedenken an unseren langjährigen Presbyter Dr. Klaus Hellmuth (1931–2012)

Zum Gedenken an unseren langjährigen Presbyter Dr. Klaus Hellmuth (1931–2012)

Dr. Hellmuth war ein aufmerksamer Predigthörer. Als Rechtsanwalt und Notar wusste er um die besondere Herausforderung, die Zuhörer durch Worte zu den notwendigen Einsichten zu führen.  Wie aber stand er zu den Inhalten der Predigten, zum christlichen Glauben? Wenn ich es recht sehe, hat er sich selten religiöser Begriffe im engeren Sinne bedient. Was ihm wichtig war an dem Glauben der Väter, dass das, was vom Glauben in der Gesellschaft sichtbar und erlebbar sein soll, so wie es beim Propheten Micha (6,5) heißt es: „Der HERR hat dir kundgetan, was gut ist, und was er von dir fordert: Nichts anderes, als Recht zu üben und Güte zu lieben und in Einsicht mit deinem Gott zu gehen.“ Sichtbar wird der Glaube darin, dass wir Recht üben und Gerechtigkeit walten lassen, ohne Ansehen der Person. Dazu gehört eine gehörige Portion Beharrlichkeit, „an der Sache zu bleiben“ und sich nicht abbringen zu lassen.  Ich erinnere mich an Dr. Hellmuths letzte große Tat für die Bethlehems­gemeinde: dass er gegen alle Erwartung, die Erbsache Niemetz zum Ende bringen und der Gemeinde zu dem nicht großen, aber ihr doch zustehenden Erbe aus einem Grundstück in Johannisthal verhelfen konnte – bei (wenn ich es recht erinnere) zehn Erben. Ein Zeichen für seine Beharrlichkeit, auch wenn die Verhandlungen manchmal mühsam waren.
Das andere, von dem der Prophet Micha spricht, war Dr. Hellmuth ebenso bewusst: dass es nämlich jenseits des Rechts, des Recht Bekommens und Recht Behaltens, eine Dimension des Ausgleichs und der Regulierung gibt, die nicht in juristische Begriffe gefasst werden kann, weil es für sie keine Paragraphen gibt: die Notwendigkeit, eine Sache auch mal durch Güte zum Ende zu bringen, durch ungeschuldete Zuwendung und in Barmherzigkeit. Auf diese Güte und Barmherzigkeit war er, zumal in den letzten Jahren seiner fortschreitenden Erkrankung selbst angewiesen. Nun nahm er dankbar an, dass sich Andere ihm nun zuwandten.
Klaus Hellmuth hatte als junger Mann seine berufliche Perspektive zunächst im Journalistischen oder Schriftstellerischen gesehen. Dazu hatte ihn wohl unter anderem auch die von seiner Tante Eva vermittelte Mitwirkung im Schulfunkparlament des RIAS bewogen; in diesem Umfeld brillierte er, sprach bald fließend englisch, nutzte die Kontakte nach Amerika und England.  Dass er dann Jura studierte und sich während der Studienzeit der Studentenverbindung Corps Marchia anschloss, spiegelte den vom Vater ererbten Pragmatismus und Realismus wieder. Klaus Hellmuth promovierte und legte beide Staatsexamina ab.


Dr. Klaus Hellmuth bei einem Gemeindefest 2000

Nach der anfänglichen Mitarbeit in verschiedenen Berliner Kanzleien baute er seine eigene Kanzlei auf. Seine letzte Station im Anwaltsberuf war dann Kreuzberg – eine höchst eigenwillige Welt, aus alternativen Lebensformen und bodenständigen türkischen Familien, wie er manches Mal zu berichten wusste. Dass man ihn dort nicht selten mit Naturalien bezahlte (statt mit Geld), kam ihm, dem das Essen bereiten einige Mühe bereitete, ganz gelegen.
Eine seiner letzten öffentlichen Auftritte war die Mitwirkung an einer Foto- und Interviewserie, die im Museum Neukölln präsentiert wurde: Porträts und Geschichten Neuköllner Familien. Da konnte er noch einmal punkten, charmant und eloquent, väterlicherseits böhmischer Herkunft, Nachfahre der hussitischen Glaubensflüchtlinge, die König Friedrich Wilhelm I. vor 275 hier im Böhmischen Dorf ansiedeln ließ. Fast vier Jahrzehnte lang hat Dr. Klaus Hellmuth als Presbyter seinen Beitrag dazu geleistet, dass die Geschichte des Dorfes bewahrt und die Gemeinde seiner Vorfahren ihren Dienst an den Menschen weiterhin wahrnehmen kann. Dass Dr. Hellmuth nur höchst selten die klassischen Begriffe des christlichen Glaubens im Munde führte, bedeutete jedoch nicht, dass er nicht innerlich beteiligt gewesen ist. Wenn er zum Gottesdienst kam, dann waren es vor allem jene Tage im Kirchenjahr, in denen die Fragen der Endlichkeit unseres Lebens, die Frage nach dem Gericht und die Hoffnung auf Auferstehung im Mittelpunkt stehen. Da spürte ich dann bei ihm eine große innere Bewegung. Am 13. Juni 2012 haben wir mit einem Gottesdienst in der Bethlehemsgemeinde von ihm Abschied genommen und ihn auf dem Magda­lenenfriedhof, im Erbbegräbnis der Familien Niemetz – Hellmuth be­erdigt, im Vertrauen auf den allmächtigen Gott, den Schöpfer, Tröster und Retter.

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