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Zum Gedenken Wilhelm Laborenz (1909–1997)

Am 1. August.1909 – also vor 100 Jahren – wurde unser langjähriges Gemeindeglied Wilhelm Laborenz geboren. Der Tag seiner Geburt war nicht nur ein Sonntag, sondern dazu noch ‚Kaisers Geburtstag‘. Und so fühlte sich der Erstgeborene eines Möbelfabrikanten (so nannte man das damals) seit früher Kindheit als privilegiert und nahezu unverletzlich. Angst vor Neuem, ‚hohen Tieren‘ oder schwierigen Situationen war ihm fremd.

Auf allen Reisen, ob zu Weihnachten mit dem VW-Bus nach Bethlehem oder mit dem Boot über den Atlantik (jeweils einmal in beide Richtungen), und auch sonst in seinem Leben vertraute er stets auf seine Schutzengel. Selbst als er noch in den letzten Kriegswochen eingezogen und in Serbien von einem Heckenschützen getroffen wurde, blieb er bis auf einen Armdurchschuß unverletzt: Dem in der linken Brusttasche steckenden Silberbesteck, das den tödlichen Herzschuss verhinderte, sei Dank.

Vor allem aber seinem Schöpfer, dem er auch ohne Bibel, Gesangbuch und die alljährlichen Losungen innig verbunden war. Statt in diesen zu lesen, blätterte er lieber in einem großformatigen Atlas, studierte historische Reisebeschreibungen oder sah sich Filme über ferne Länder in der Urania an. Aber die christliche Botschaft war in ihm, und er lebte diese auch. Seinen Mitarbeitern, Mietern und allen übrigen Personen – auch in unserer Gemeinde - begegnete er stets zuvorkommend und mit Respekt. Nur selten (im Alter aber zunehmend) war er ungeduldig und ließ dies auch erkennen.

 

 

 

 

 

 

 

 

Immer öfter erkenne ich Parallelen an mir selbst, auch wenn ich mir dies lange nicht eingestehen wollte. Was ich außer dem Namen von meinem Vater „geerbt“ habe - und was noch Bestand hat? Da ist zunächst das Amt eines Presbyters, das ich nach seinem Tod aus Familientradition und Nähe zu unserer Gemeinde gern übernahm. Aber wichtiger sind mir sein unerschütterliches Gott- und Selbstvertrauen. Das verbindet mich mit ihm, heute mehr denn je. Und diese sind mir mehr wert als materielle Güter.

Ich habe zwar nicht den Beruf des Tischlers gelernt, aber beim Berühren von Holz empfinde ich die Nähe zur Natur und Familientradition. Und beim Segeln (auch die Liebe zu diesem Sport habe ich mit ihm geteilt) spüre ich die unsichtbare Kraft, auf die ich mich auch in schwierigsten Stunden immer verlassen konnte. Die mich stets positiv denken und auf Gott vertrauen läßt – auch und gerade dann, wenn ich in ausweglose Situationen gerate. Das hat mir mein Vater vorgelebt und mitgegeben, dafür bin ich ihm dankbar. Und vor allem meinen (seinen?) Schutzengeln, die während meiner Not-OP und die Tage danach wieder einmal rund um die Uhr für mich Dienst tun mußten …

Peter Laborenz

 

 

 


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