Willkommen | Ein Lob auf die festen Gezeiten

Ein Lob auf die festen Gezeiten

„Es hat geschneit!“ – rufe ich begeistert meinem Mann entgegen.
Es ist einer dieser schwülen, drückenden Sommertage 2017 und ich stehe belustigt am Fenster. Irritiert gesellt sich mein Mann an meine Seite und blickt ebenfalls hinaus. Schnell ist ihm klar: weder spielt gerade seine Frau noch das Wetter verrückt. Vielmehr hat das Restaurant schräg gegenüber die Eisschränke vom Eis befreit und dieses auf die Straße gekippt. Nun glitzert ein großer Berg Schnee in der Sonne.
Jetzt, wo mir die Hitze zu schaffen macht, sehne ich mich nach Kälte, Schnee und kühlen Wintertagen. Jetzt, wo der Schneeberg vor meinem Fenster so einladend frisch funkelt, kann ich mir einfach nicht mehr vorstellen, wie mir im Februar der Winter zu viel wurde, wie ich es irgendwann leid war, diese Kälte, die dicken Klamotten, die Dunkelheit, und der feuchte Schneematsch. An Tagen, in denen ich über die Hitze klage und ich mich kaum bewegen mag, da verklärt sich meine Erinnerung an den Winter. Ich kann mir im Sommer, wenn jede noch so dünne Decke im Bett zu viel ist, einfach nicht mehr vorstellen zu frieren.
Seufzend wende ich meinen Blick ab vom Schneeberg, der langsam schmilzt. Heiß soll es heute werden. Über 30 Grad. Ich schiebe die Gedanken an Winter und Kälte beiseite. Es ist Sommer, sage ich mir und auf den hab ich mich schließlich so lange gefreut. Es ist Sommer, und neben der Hitze gehören dazu die bunten Blumen im Garten, die erste Ernte in unserem Gemüsebeet, das Zwitschern der Vögel und der blauglitzernde Badesee. Heute bekommen wir Besuch von Freunden. Wir wollen schwimmen gehen und anschließend Grillen im Garten. Das ginge alles nicht, wäre jetzt Winter.

Wenn ich ehrlich bin, dann ist es wunderbar so. Ich bin dankbar, dass mich die festen Gezeiten durchs Jahr tragen. Die Wärme und manchmal Hitze des Sommers, dann das Leuchten der Herbstfarben und später im Jahr die kurzen Tage mit ihrem Nebel und Schnee, die mir gemütliche Stunden mit Decke auf der Couch bescheren. Ich bin dankbar, dass Gott mich durch die reiche Fülle der Gezeiten begleitet, mich mit ihnen beschenkt.
Ich nehme mir vor, die Gezeiten bewusster zu genießen, jeden Sonnenmoment genauso willkommen zu heißen wie jede einzelne Schneeflocke. Denn die wechselnden Gezeiten erinnern mich auch an Gottes Treue zu seiner Schöpfung, zu uns, zu mir. Einst hat er versprochen: „Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ (Gen 8,22). Was für eine Zusage, welch ein Segen. Und so rufe ich schließlich verschwitzt aber dankbar meinem Mann entgegen: „Die Sonne scheint! – Gott sei Dank“

Gesegnete Sommertage wünscht Ihnen
Carolin Springer

 

 

 

 

 

 

 

 

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