Willkommen | Das Osterfest und der Frühling

Das Osterfest und der Frühling

Ostern ist immer im Frühling. Auch wenn der letzte Schnee noch liegt, wenn es noch kalt und ungemütlich ist – Ostern findet statt, allerdings nicht wie Weihnachten an einem festgelegten Datum.
In der Bibel kann man über das Datum Genaueres erfahren. Die Passionsberichte erwähnen, dass Jesu Tod und Auferstehung im Zusammenhang mit dem jüdischen Passafest stattgefunden hat. Das Johannesevangelium beschreibt die Beziehung zum Passafest am deutlichsten. Danach findet die Gerichtsverhandlung vor Pilatus und die Kreuzigung Jesu am Tag vor dem Fest statt (Joh 19,14). Das Fest selber findet – was selten passiert - an einem Sabbat statt (Joh 19,31). Und das leere Grab entdeckt am Ostermorgen Maria Magdalena am ersten Tag der Woche (Joh 20,1). Damit ist vom Neuen Testament her der Wochentag der Auferstehung der Tag nach dem Sabbat – also Sonntag.
Wann aber ist das jüdische Passafest? Auch hier können wir uns an der Bibel orientieren. Im 2. Buch Mose (dem Buch Exodus) wird die Geschichte von der Befreiung des Gottesvolkes aus der ägyptischen Sklaverei erzählt. Die Erinnerung an diese Befreiung ist Inhalt des Passafestes. Gott hatte sich vorgenommen, den Pharao mit Sanktionen zu zwingen, die Unterdrückung des Volkes Israel zu beenden. Das Buch Exodus zählt 10 Sanktionen auf, die von Mal zu Mal den Druck auf den Pharao steigerten. Schließlich sollte mit der zehnten Sanktion alles Erstgeborene (Menschen und Vieh) getötet werden. Damit die Israeliten von dieser Strafmaßnahme ausgenommen werden, sollten sie ihre Haustüren mit Blut von geschlachteten Lämmern anmalen, so dass erkennbar war, an welchen Häusern die tötenden Boten vorbeiziehen sollten. (Daher der Name hebräisch „Pessach“, auf deutsch: vorbeigehen, über etwas hüpfen.)
Das Fest der Befreiung aus der Knechtschaft wird von den jüdischen Menschen bis heute nach einem bestimmten Ritual zu einem bestimmten Termin gefeiert. Auch dazu finden wir in der Bibel die nötigen Angaben (2.Mos 12). Der jüdische Kalender orientiert sich am Mond und sieht daher ein wenig anders als unser gregorianischer Kalender aus, der sich an der Sonne orientiert. Der erste Monat im Jahr, der Frühlingsmonat „Nisan“. Er beginnt mit dem Neumond, in diesem Jahr 2018 am 17. März (nach gregorianischem Kalender). Am 15. Nisan (gregor. 31.3.2018) findet nach 2. Mos 12,29ff das Blutbad an den Ägyptern und infolge dessen die Befreiung des Gottesvolkes statt. Das ist der Beginn des Passafestes, das sieben Tage gefeiert wird. Die Christen haben ihr Osterfest in Anlehnung an das Passafest terminiert. Auf dem Konzil von Nicäa (im Jahr 325 n. Chr.) wurde der Frühlingsanfang (Tag- und Nachtgleiche) auf den 21. März festgelegt. Und daraus ergibt sich für den Ostertermin die Formel: Ostern ist der erste Sonntag nach dem ersten Vollmond im Frühling, der am 21. März beginnt.


Es ist nicht von ungefähr, dass Ostern im Frühling stattfindet, genauer im Übergang vom Winter zum Frühling. Was in der Bibel über das Osterereignis berichtet wird, hat mit Sterben und Leben zu tun. Das widerspricht dem modernen Lebensverständnis. Normalerweise rechnen wir damit, dass wir mehr oder weniger lange leben, um dann irgendwann einmal sterben zu müssen. Das ist hier umgekehrt. Auf den Karfreitag folgt der Ostertag, das Sterben ist der Durchgang zum Leben. Der Tod ist hier also nicht unser Ende, sondern der Anfang von allem. Zu Ostern gedenken wir nicht wie zum Jahresende einzelner Menschen, die gestorben sind. Zu Ostern wird das Schicksal des Todes gefeiert: Er ist besiegt. Seine unheimliche Macht ist begrenzt. Durch alles Sterben hindurch gibt es Leben.
Für diese fundamentale  Glaubenserfahrung hat man immer auch in der Natur Bilder und Gleichnisse gefunden. Ostern ist im Frühjahr. Im Frühling kann man überall sehen, wie das scheinbar Abgestorbene wieder zu leben beginnt. Gras sprießt aus der Erde. An den Bäumen schlagen die Knospen aus. Schon Paulus beruft sich zum Verständnis der Auferstehung auf das Geschehen in der Natur: »Was du säst, wird nicht lebendig, wenn es nicht zuvor stirbt« (1. Korinther 15,36).
Weil sich im Frühjahr die Kraft des erneuerten Lebens zeigt, hat das Fest in unseren Breiten zwei Natursymbole angezogen, die auf unauffällige Weise diese Lebenskraft repräsentieren: das Osterei und den Osterhasen. Am Hasen hat man nicht erst, seitdem es zum Markenzeichen einer Männerzeitschrift gewählt worden ist, seine sexuelle Triebhaftigkeit und Fruchtbarkeit bewundert. Er stellt mit seinem vermehrten Aufkommen zum Jahresbeginn jenen Willen zum Leben dar, der die ganze Schöpfung durchzieht und für den Fortgang der Generationen sorgt. Und das Ei ist jene sichtbare Zwischenstation, die aus altem Leben stammt und aus der sich neues Leben entwickelt.
G. v. Bremen

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