Willkommen | 275 Jahre Bethlehemskirche in der Friedrichstadt 1737–2012

275 Jahre Bethlehemskirche in der Friedrichstadt 1737–2012

Ihr Lobgesang ist ein Beispiel dafür, wie man damals Gott preisen und zugleich dem König huldigen konnte, der ja die böhmischen Flüchtlinge ins Land gelassen und ihnen dann auf seine Kosten eine Kirche hatte errichten lassen. Der Lobgesang erklang wahrscheinlich in tschechischer Sprache. In deutlichen Worten werden der Gewissenzwang und die Verfolgungen beschrieben, denen die Protestanten im habsburgischen Machtbereich ausgesetzt waren. Dann heißt es in weiteren Strophen (wir zitieren aus der zeitgenössischen deutschen Übersetzung):

Ein Volk, das sonst im Finstern saß, / mit Irrtum ganz umgeben, das findet hier nun sein Gelaß, / und kann in Freyheit leben; / das Wort, das ihm sonst war verwehrt, / wird ihm nun frey und rein gelehrt, / durch Zeugen dieser Gnade. […] Hierzu hat unseres Gottes Hand / des Königs Herz geneiget, /daß er dem Volck in seinem Land, / so viele Huld erzeiget. / Es kann, nach Druck und vieler Pein, / an Seel und Leib versorget seyn / aus unverdienter Gnade. […] Es segne dieses Bethlehem zu vieler Seelen Leben, / damit es wie Jerusalem* kann Seelen Manna geben: / in vieler Herzen Krippelein nehm er als seine Wohnung ein, zum Preise seiner Gnaden!
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* Anspielung auf die 1731 neu erbaute, zu dieser Zeit größte Kirche in der Friedrichstadt, die Jerusalemskirche

Inneres der Bethlehemskirche, 1910 (Foto: Messbild BLDAM)

Die ehemalige Bethlehemskirche – auch Böhmische Kirche genannt – in der Mauerstraße, Berlin-Mitte, von Süden, 1910 (Foto: Messbild BLDAM).

Die Kirche wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, die Ruine in der 60er-Jahren abgetragen.
Heute erinnert ihr Grundriss im Straßenpflaster an sie, Ansicht von Westen, Krausen-/Ecke Mauerstraße (Foto: W. Reuss).


Am 12. Mai 1737, dem Sonntag Jubilate, wurde in der südlichen Berliner Friedrichstadt nach zweijähriger Bauzeit die Bethlehemskirche eingeweiht – „als ein geistlich Brot-Haus für hungrige Seelen“, wie es in dem „Lobgesang“ heißt, den die „drey bethlehemitischen Hirten“ (d. h. die drei Pfarrer) im Festgottesdienst darbrachten.

Seit Juni 2012 zeigt die Installation des spanischne Künstlers Juan Garaizaball an den Umriss der Kirche.

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