Willkommen | Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

Macht hoch die Tür, die Tor macht weit

Hatten Sie als Kind einen Adventskalender? Oder haben Sie vielleicht sogar auch dieses Jahr einen bei sich zu Hause?
Mein Bruder und ich hatten als Kinder einen, den wir uns teilen sollten. Und obwohl es eine klare Regelung ab, wann wer das Türchen öffnen durfte, hatten wir darüber immer wieder Streit.
Rückblickend würde ich sagen, es ging uns dabei in erster Linie nicht um das Bildchen oder das Schokostück, das sich dahinter verbarg. Über das haben wir uns natürlich auch gefreut, aber viel wichtiger war das Türchenöffnen an sich: Morgens standen wir noch im Schlafanzug gemeinsam vor dem Adventskalender. Angestrengt starrten wir auf das große Bild um möglichst als erster zwischen all den Türen die richtige Tür zu entdecken. Jeder Tag hatte sein Türchen und hatte man es gefunden, dann wurde es so langsam wie möglich geöffnet. Wir hatten Freude daran, den spannenden Moment hinauszuzögern und erst wenn man das Dahinterliegende selbst entdeckt hatte, dann durfte der andere schauen.
Ach, es hat Spaß gemacht, diese Türchen zu öffnen. Jedes Jahr zur Adventszeit werde ich daran erinnert.
Im Advent öffnen sich Türen.
Manche können wir öffnen und manche werden uns geöffnet. Im Advent werden wir daran erinnert, dass auch die größte Tür, die zwischen Himmel und Erde, zwischen uns und Gott ist, uns aufgetan wird. Und so singen wir beispielsweise im Advent „O Heiland, reiß die Himmel auf, (…) reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel für.“ (EG 7). Oder dann zu Weihnachten: „Heut schließt er wieder auf die Tür zum schönen Paradeis, der Cherub steht nicht mehr dafür.“ (EG 27)

Diese Tür steht auf, und weil uns diese Tür aufgetan wurde, leben wir unter einem geöffneten Himmel. Das schenkt Mut und Kraft, so dass wir es wagen können, unsererseits Türen zu öffnen. Beispielsweise für andere Menschen, Ideen oder auch für Sehnsüchte.
Unter einem geöffneten Himmel bekommen wir dann auch die Kraft, Türen zu öffnen, die in uns stecken, in unseren Herzen.
Damals als Kind stand ich voller Vorfreude und Aufregung vor dem Adventskalender und habe ihn ganz aufmerksam betrachtet. Tag für Tag. So möchte ich mich in dieser Adventszeit betrachten, genau hinsehen auf mich im Ganzen. Und im Ganzen dann die einzelnen Türen entdecken. Und dann wag’ ich es, ziehe die Tür vorsichtig auf und schaue dahinter. Wer weiß, was ich entdecke. Verlorene Träume, Sehnsüchte oder gar Talente? Sorgen, Ängste oder schmerzhafte Erinnerungen?
Ist die Tür erst einmal auf, kann ich das Dahinterliegende erkunden. Doch das tue ich nicht alleine. Ich bitte Gott mit hinein, damit er meine Fragen hört, meine Wunden heilt und mir aufzeigt, welche Träume noch längst nicht verloren sind. „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, mein’s Herzen Tür dir offen ist.“ (EG 1), so singe ich. Und er kommt.
Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Advents- und Weihnachtszeit. Möge Gott uns die Kraft schenken, Türen zu öffnen und uns neu zu entdecken unter dem geöffneten Himmel.

Herzlichst, Ihre Carolin Springer

 

 

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