Willkommen | Wiederbeisetzung von Johann Liberda

Wiederbeisetzung von Johann Liberda

Liberda war Seelsorger böhmischer Glaubensflüchtlinge in Sachsen und konnte am 31. August 1732 auf einer Audienz bei König Friedrich Wilhelm I. die Ansiedlung von Exulanten in Berlin bewirken, woraufhin er 1738, nach Flucht respektive Befreiung aus einem Gefängnis in Sachsen, zum Prediger an der neu errichteten Bethlehemskirche (Berlin-Mitte) ernannt wurde. Laut Totenbuch der Böhmisch-lutherischen Gemeinde ist Liberda unter dem Altar beigesetzt worden. Seine Gebeine, die im Zuge archäologischer Grabungsarbeiten auf dem Grundstück am 19. April 1994 sichergestellt und nach Untersuchung Manfred Motel (1942–2016) als Vorsitzendem des Förderkreises Böhmisches Dorf in Berlin-Neukölln e. V. übergeben wurden, wurden am Mittwoch, 9. August 2017, dem 275. Todestag Liberdas, in einer Gedenkveranstaltung des Förderkreises und der drei Rixdorfer Kirchengemeinden, die das Berliner Erbe der Exulanten pflegen, auf dem Böhmischen Gottesacker in Berlin-Neukölln wiederbeigesetz. Der Böhmische Gottesacker wird damit – und mit dem aufgestellenten Gedenkstein – einmal mehr als Ort der tschechischen Geschichte in Berlin sichtbar sein.

Enthüllung der Grabtafel für Johann Liberda. Links der Botschafter der Tschechischen Republik S. E. Tomás Jan Podivínsky, rechts der stellvertretende Bürgermeuster von Neukölln Falko Liecke

… Jene Böhmen, die später in den Berliner Raum kamen, stammten zum großen Teil aus den Landkreisen Leitomischl und Landskron im Nordosten Böhmens. Sie ließen sich nach ihrer Flucht etwa um 1717 zunächst direkt hinter der Grenze in Sachsen nieder. Schon dort fanden sie sich in den Orten Groß-Hennersdorf und Gerlachsheim zu zwei Gemeinden zusammen: die Groß-Hennersdorfer seit 1727 um den Prediger Johann Liberda und die Gerlachsheimer seit 1728 um den Prediger Augustin Schultz. In Sachsen wurden sie angehalten, sich dem dort geltenden lutherischen Bekenntnis unterzuordnen, dem auch ihre beiden Prediger angehören mussten. Beide nahmen jedoch – jeder auf seine Art – auf die Brüder­tradition ihrer Gemeinden Rücksicht. Johann Liberda reichte seiner Gemeinde beim Abendmahl nach alter Brüdertradition Brot statt der nach lutherischem Ritus gebräuchlichen Oblaten. Der Pietist Augustin Schultz dagegen griff die Brüdertradition im Sinne der Erneuerten Brüderunität auf … Johann Liberda war 1732 von der sächsischen Regierung ins Zuchthaus gesperrt worden, weil sie ihm zur Last legte, die Böhmen zum Auszug aus Sachsen aufgewiegelt zu haben …

Aus der Broschüre ‚Auszug und Ankunft‘ über die Geschichte der Bethlehemsgemeinde  (S. 7).

Zurück