Willkommen | Zum ersten Mal eine Frau an der Spitze

Zum ersten Mal eine Frau an der Spitze

„Hier stehe ich, eine Frau aus dem Nahen Osten auf Luthers Kanzel.“ So begann die Predigt von Pfarrerin Najla Kassab beim ökumenischen Gottesdienst in der Stadtkirche in Wittenberg am 5. Juli 2017. Jetzt steht sie an der Spitze der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK): Sie ist ihre erste Präsidentin. Die Generalversammlung wählte sie an ihrem letzten Tagungstag in Leipzig zur Nachfolgerin des südafrikanischen Theologen Jerry Pillay.
„Seit 1993 habe ich mich für die Ordination von Frauen im Nahen Osten eingesetzt, nun gehöre ich zu den ersten beiden Frauen, die in diesem Jahr ordiniert wurden“, erklärte Najla Kassab in der Abschlusspressekonferenz der Generalversammlung. Damit beschreibt sie anhand der eigenen Biografie ihren erfolgreichen Einsatz für Frauenrechte.
So wie Martin Luther die Kirche des 16. Jahrhunderts kritisierte, weil sie der biblischen Lehre nicht gerecht wurde, ist Kassab überzeugt, dass sie nun Präsidentin ist, um daran mitzuwirken, dass die Kirche heute ihre Verantwortung in Fragen von Gleichheit und Gerechtigkeit wahrnimmt.
Martin Luther steht für klare Worte. Freie Meinungsäußerung ist wichtig, macht Kassab klar. Und so hat sie auf Luthers Kanzel seine 96. These entwickelt, die Frage: „Nicht warum eine Frau auf der Kanzel steht, sondern warum es so lange gedauert hat?“ Das sei nicht nur eine Frage der Gleichheit, so Kassab. „Das ist ein Kampf um Gerechtigkeit.“
Weiter erklärt die Theologin: „Die WGRK spricht viel über Gerechtigkeit.“ Sie komme aus dem Nahen Osten. „Ich weiß, wie Ungerechtigkeit aussieht.“

Najla Kassab lebt mit ihrem Ehemann Joseph Kassab und den drei Kindern in Beirut. Ihre Aufgaben führen sie regelmäßig nach Syrien. Das ist gefährlich. Aber die Theologin findet, die Kirche muss sich diesem Risiko aussetzen. „Ich muss da sein und persönlich bestätigen: Ich bin eine von euch. Wir als Kirche müssen physisch dort sein, wo Leid geschieht.“
Wenn wir nicht persönlich anwesend sein wollen, dann sollten wir erst gar nicht anfangen von Gerechtigkeit zu sprechen, auch das macht Najla Kassab deutlich. Sie jedenfalls wird darüber sprechen.

Aus dem Artikel von Amy Eckert, Bernd Becker, Anna Neumann:
http://wcrc.ch/de/nachrichten/neue-praesidentin-spricht-ueber-gerechtigkeit

 

 

 

 

 

 

 

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