Reformiert | Die Französisch Reformierten Gemeinden in Groß Ziethen/Schwedt

Die Französisch Reformierten Gemeinden in Groß Ziethen/Schwedt

Sie haben in Ihrem Gemeindebrief bereits etwas über die Reformierten in der Norduckermark lesen können. Es gibt in der Uckermark, in der Schorfheide aber noch zwei andere Französisch-Reformierte Gemeinden.

Abgesehen davon, dass ihre Einzugsbereiche aneinander grenzen, haben die beiden Gemeinden Groß Ziethen und Schwedt bisher nicht viel miteinander zu tun gehabt. Seit dem letzten Jahr aber verbindet sie die Person der neuen Pastorin, die für beide zuständig ist. Die Gemeinde um Schwedt, zu der seit einigen Jahren auch Angermünde gehört, hat durch ihren Pastor Hurtienne, der ein halbes Jahrhundert dort gewirkt hat, ihr besonderes reformiertes Gepräge vor allem im Gottesdienst erhalten und existiert als Personalgemeinde neben den lutherischen Ortsgemeinden. Die drei Dörfer Groß Ziethen, Klein Ziethen und Senftenhütte haben seit langem „nur“ eine reformierte Pastorin. Es gibt hier also praktisch eine reformierte Ortsgemeinde: wer als Evangelischer zuzieht, gehört automatisch zu den „Franzosen“. Da vor allem nach den Weltkriegen viele „Lutheraner“ zugezogen sind, sind die Gemeinden kaum noch konfessionell geprägt. Hier heißt die Bekenntnisfrage heutzutage höchstens noch: kirchlich oder nicht kirchlich zu sein. Entscheidungen darüber hinaus werden nicht diskutiert. Dass „Kirche“ interessant sein könnte und Glauben zum Leben hilft, muss sich für die allermeisten Menschen in dieser Gegend erst neu erweisen. Kaum jemand unter vierzig Jahren ist getauft, geschweige denn konfirmiert. Und dennoch: die Kirche gehört ins Dorf und einfach verfallen soll sie auch nicht …

In Schwedt hat die Gemeinde keine eigene Kirche mehr, nur noch ein kleines Gemeindehäuschen mit Gärtchen, versteckt in einer Seitenstraße. Hier ist die Atmosphäre sehr familiär. Aber da genau „das Familiäre“ es ist, dem junge Menschen irgendwann entfliehen möchten, haben sich die gebürtig „reformierten“ Jugendlichen längst den lutherischen Pfarrämtern angeschlossen, in deren aktiver Jugendarbeit sie unter sich etwas auf die Beine stellen können.

In Angermünde gehört der Kirchengemeinde noch eine mittelalterliche Kapelle im Zentrum der Stadt. Sie wird von den Baptisten mitgenutzt, so dass im Monat ein reformierter und ein freikirchlicher Gottesdienst stattfindet. Unsere Gemeinde besteht hier nur noch aus einer (buchstäblichen) Handvoll aktiver Gemeindeglieder. Die hübsche Heilig-Geist Kapelle, an der jeder Angermünder regelmäßig vorbeikommt, ist immer verschlossen und nur als Fassade im Hintergrund des Bewusstseins der Stadtbewohner. Doch am 22. Juni 2005 wurde sie aufgeschlossen und beherbergt nach einer begeisternden Eröffnungsveranstaltung zeitkritische Bilder von Jugendlichen des Einstein-Gymnasiums! Ca. hundert Menschen waren anwesend und hörten die jungen Menschen musizieren und nachdenkenswerte Texte lesen.

In Schwedt fand Ende Mai der Deutsche Hugenottentag statt. Tagungsort waren die Uckermärkischen Bühnen Schwedt. Unsere reformierte Gemeinde bereitete die Veranstaltung mit vor, lud zum Freiluft-Gottesdienst in den neubenannten Hugenottenpark und danach in ihren Gemeindegarten ein. Die Gäste strömten, beim Gottesdienst staunten Vorbeiradelnde und Spaziergänger über eine fröhliche Versammlung von fast dreihundert betenden und singenden Christen. Im Gemeindehausgarten fand bei üppigem Buffet das Treffen einen entspannten, vielbesuchten Ausklang. Die Zusammenarbeit von Kirche und Kultur hat sich als fruchtbar und bereichernd erwiesen.

In Groß Ziethen sind auch völlig unchristliche Eltern bereit, im Pfarrhaus einen Raum zu streichen, in dem sich ihre Kinder mit der Pastorin treffen können. Ob die Kinder da hingehen möchten, liegt an ihnen. Und wenn was Besonderes ist, kann man auch schon mal selber in die Kirche schauen. Da wird dann die Pastorin gefragt, ob sie nicht auch die Haloween-Party mitgestalten würde. Und im örtlichen Kindergarten mal eine Geschichte erzählen, das geht auch! Alle, kirchlich oder nichtkirchlich, sind froh, wenn „jemand was macht“.

Fazit: die Kirchengemeinden in der Uckermark haben es schwer, über die Zeiten zu bestehen. Aber es lässt sich manches bewegen, wenn man die Impulse aufgreift, die aus dem gesellschaftlichen Umfeld kommen. Kirche, die nur traditionsbeflissen „im eigenen Saft schmort“ ist hier dagegen schon so gut wie ausgestorben.

Heike Schulze
Pastorin der Gemeinden Groß-Ziethen/Schwedt

Zurück